19. Oktober 2020
Tendenze & Mercati
Die neuen Online-Plattformen des Luxussegments

Große E-Commerce-Anbieter, Institutionen und Marken setzen auf digitale Lösungen, um Premiumprodukten und kreativen Projekten Sichtbarkeit zu verschaffen.
Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach aufgezeigt, dass Omnichannel-Strategien und Digitalisierung für Unternehmen der Modebranche inzwischen unverzichtbare Faktoren sind. Diesmal betrachten wir das Thema jedoch aus einer anderen Perspektive und stellen fest, dass auch der Einzelhandel, die Institutionen und der Bildungssektor die Verbindung von High-End-Mode und digitaler Innovation mit wachsendem Interesse verfolgen.
Amazon Luxury Stores: Jeff Bezos erobert die High Fashion
Alles begann im Januar 2020, als die Gerüchte über den bevorstehenden Einstieg des Giganten aus Seattle in das Luxussegment immer lauter wurden. Im September folgten dann nacheinander Bestätigung und Eröffnung, und Amazon Luxury Stores wurde Realität. Die Plattform des E-Commerce-Riesen bietet hochwertige Mode- und Beautyprodukte an und ist vorerst nur in den Vereinigten Staaten verfügbar. Derzeit haben ausschließlich ausgewählte Prime-Kunden Zugang, und zwar nur über die App und auf Einladung. Im Store entscheiden die Marken selbst über Produkte, Lagerbestand und Preise, während Amazon die Aufgabe zukommt, die Merchandising-Tools sowie die Technologien für ein fortschrittliches Shopping-Erlebnis bereitzustellen (etwa die interaktive 360°-Ansicht zur Begutachtung der Kleidung).
Welche und wie viele Modehäuser auf der Plattform vertreten sein werden, wurde noch nicht im Detail bekannt gegeben. Ebenso hat sich bisher niemand festgelegt, ob die Initiative ein Erfolg wird oder nicht. Sicher ist jedoch, dass der Online-Verkauf von Luxusgütern inzwischen ein wachsender Trend ist. Ende des Sommers kündigte beispielsweise Zalando an, den Anteil seiner Premiumprodukte bis 2023 verdreifachen zu wollen. Neue Luxusmarken sollen in das Portfolio des E-Commerce-Anbieters aufgenommen werden, aber auch das Angebot der bereits vertretenen Marken wird erweitert – und zwar innerhalb einer Rubrik, die von „Premium“ in „Design“ umbenannt wird. Ein Bereich, der zudem durch exklusive Inhalte und von einem eigenen Team erstellte Kampagnen bereichert wird.
Extraitastyle, ein virtuelles Schaufenster für italienische Exzellenz
Doch nicht nur die großen Akteure des Onlinehandels bewegen sich in diese Richtung. Ebenfalls im vergangenen August und September, einer an Ankündigungen wirklich reichen Zeit, kamen auch aus dem institutionellen Umfeld Italiens interessante Projekte. Allen voran nennen wir Extraitastyle, eine Plattform, die den einzigartigen Stil des Made in Italy weltweit fördern soll, mit besonderem Fokus auf die Vereinigten Staaten.
Das Projekt stammt von der Agenzia ICE, der staatlichen Agentur zur Auslandsförderung und Internationalisierung italienischer Unternehmen. Auf der Website steht allen Marken, sowohl traditionsreichen als auch aufstrebenden, eine virtuelle Boutique zur Verfügung – samt 3D-Bildern und der Möglichkeit, die Besucher mit fesselndem Storytelling auf eine immersive Reise mitzunehmen. Abgerundet wird die Plattform durch einen B2B-Bereich, in dem Kataloge und Kollektionen den eigenen Kunden präsentiert werden können.
Ebenfalls in Italien und im institutionellen Bereich hat auch die Camera Nazionale della Moda Italiana anlässlich der „Mens’ Collection Frühjahr/Sommer 2021“ einen eigenen digitalen Raum geschaffen. Der virtuelle Multibrand-Showroom, realisiert in Zusammenarbeit mit Accenture, Microsoft und Hevolus Innovation, nutzt das Potenzial von Cloud und künstlicher Intelligenz. Die Plattform ist in zwei getrennte Bereiche gegliedert, „Fashion Hub Market“ und „Designers for the Planet“, und soll sowohl aufstrebende als auch nachhaltige Marken fördern. Hier lassen sich die Kollektionen der Künstler in höchster Auflösung und auf jedem Gerät erkunden, wobei virtuelle Schaufensterpuppen ganz einfach umgekleidet werden können.
Raum für junge Talente und Spitzentechnologien auf den Plattformen der Bildungseinrichtungen
Auch die Ausbildungseinrichtungen für Mode und Design konnten sich dieser Aufbruchsstimmung nicht entziehen. So stellte das renommierte Istituto Marangoni Ende September das Projekt „House of Istituto Marangoni“ vor. Die in Zusammenarbeit mit Vogue Italia entwickelte Plattform soll dem Talent der neuen Generationen Sichtbarkeit verschaffen. Die Studierenden des letzten Studienjahres der verschiedenen internationalen Standorte des Instituts finden hier die Gelegenheit, ihre Arbeiten mit multimedialen Inhalten und interaktiven Events zu präsentieren.
Eine immersive Reise dank neuer Technologien, die auch exklusive Interviews, Erfahrungsberichte und virtuelle Diskussionsrunden umfasst. Zudem ermöglicht das Projekt den Studierenden, sich von Fachleuten, die von Vogue Italia ausgewählt wurden, bei der Überarbeitung ihrer Portfolios und Lebensläufe beraten zu lassen.
Ebenso bietet auch Custom seinen Kunden professionelle Beratung, um einer Einzelhandels- und Modewelt zu begegnen, die immer digitaler wird und sich ständig wandelt.