22. Dezember 2017
Tendenze & Mercati
Wie gewinnt man beim Spiel: reines Glück oder Mathematik?

Manche glauben an die blinde Göttin Fortuna, andere behaupten, dass es Glück gar nicht gibt. Doch für die Dynamik des Spiels spielt dieser Aspekt kaum eine Rolle. Beim Spiel siegen der Reiz und der beruhigende Gedanke „Wenn er gewonnen hat, dann kann ich es auch schaffen“ – eine Hoffnung, die die Italiener im Jahr 2016 96 Milliarden Euro verspielen ließ, davon 49 Milliarden mit Videolotterien und New Slots.
GLÜCK ODER MATHEMATIK?
Man könnte damit beginnen, dass es wahrscheinlicher ist, dass die Erde im Jahr 2036 vom Asteroiden 99942 Apophis zerstört wird, als beim Superenalotto zu gewinnen, dem – mathematisch gesehen – schwierigsten aller Ziehungsspiele. Trotzdem sind Win for Life, Spielautomaten, Superenalotto, Roulette, Rubbellose, Lotto, Poker, Blackjack, Bingo und Sportwetten die Leidenschaft der Italiener (und nicht nur ihre), die weiterhin ihr „Glück“ versuchen.
Wer an das Glück glaubt, verbindet es sehr oft mit Aberglauben, also mit der Vorstellung, dass ein bestimmtes Verhalten zum erhofften Ergebnis führt. Dieses Verhalten trübt oft das logische Denken und führt zu einem beim typischen Spieler sehr verbreiteten Denkfehler: dem Spielerfehlschluss, nach dem auf eine Serie gleicher Ergebnisse eine Serie mit dem gegenteiligen Ergebnis folgt.
Tatsächlich verhält sich das Spiel zufällig: Selbst wenn die Roulettekugel mehrmals hintereinander auf Schwarz liegen bleibt, hat sie beim nächsten Mal dennoch die gleichen Chancen, erneut auf Schwarz zu landen – ohne jeden Zusammenhang mit den vorherigen Runden.
Eine der Bestätigungen dafür, dass das Glücksspiel von den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit bestimmt wird, lieferte 1946 der Mathematiker Stanislaw Ulam mit seinem System, der „Monte-Carlo-Methode“. Ulam untersuchte die Wahrscheinlichkeiten von Glücksspielen anhand empirischer Ergebnisse und wies nach, dass selbst dann, wenn die Kugel eines Roulettes 26 Mal in Folge auf Schwarz liegen bleibt, die Wahrscheinlichkeiten, dass die nächste Runde Rot oder Schwarz ergibt, absolut gleich bleiben.
Wie können wir also angesichts der mathematischen Gesetze von Zufall und Wahrscheinlichkeit, die das Glücksspiel bestimmen, überhaupt von Glück sprechen?
Seit es Casinos gibt, sehen die Spiele stets einen Vorteil für die Bank vor, was die Redewendung „Die Bank gewinnt immer“ rechtfertigt. Genau aus diesem Grund können wir einen Spieler als glücklich bezeichnen, wenn er gewinnt oder zumindest weniger verliert als zu erwarten war; wer dagegen mehr verliert als zu erwarten war, kann tatsächlich als Pechvogel gelten.
Das Glück kann also die Spielregeln nicht ändern, aber es kann durchaus diejenigen auszeichnen, denen es gelungen ist, den Traum vom Gewinn zu verwirklichen. Offenbar kein leichtes Unterfangen – es ist unwahrscheinlicher, als von einem Asteroiden getroffen zu werden!
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