21. September 2021
Tendenze & Mercati
Kleidervermietung: nachhaltig oder belastend für die Modebranche?

Plattformen zur Kleidervermietung sind ein weiteres Phänomen, das auf dem Vormarsch ist, doch nicht alle sind sich über ihre Nachhaltigkeit einig.
Kaum haben wir den Erfolg von Second Hand kommentiert, rückt schon ein neuer, in gewisser Hinsicht verwandter Trend ins Rampenlicht. Die Meinungen über Plattformen zur Kleidervermietung sind jedoch nicht so einheitlich wie in anderen Fällen.
Der Aufschwung der Kleidervermietung in der Mode
Auch wenn dieser Trend schon vor Jahren begonnen hat, setzt sich die Kleidervermietung gerade jetzt entschieden durch. In Italien funktioniert diese Option beispielsweise besonders gut bei Hochzeitskleidung. Zudem gilt diese Praxis als nachhaltig – ein Thema, das der Mode- und Luxusbranche derzeit sehr am Herzen liegt, wie wir in einem unserer letzten Artikel festgestellt haben.
Zur Umweltbelastung durch die Modeindustrie hat McKinsey nämlich neue Daten veröffentlicht. Laut dem bekannten multinationalen Beratungsunternehmen ist die Textilbranche für den Ausstoß von 2,1 Milliarden Tonnen Treibhausgasen verantwortlich, was 4 % der weltweiten Gesamtmenge entspricht. Alternative, umweltfreundliche Praktiken sind also sehr willkommen.
Drip: die 100 % italienische Plattform zur Vermietung von Streetwear
In einem jungen Erfolgsbeispiel geht Nachhaltigkeit jedenfalls mit wirtschaftlichem Nutzen einher. Die Rede ist von Drip, der ersten 100 % italienischen Plattform, auf der sich Kleidung und Accessoires – sowohl Streetwear als auch High Fashion – im Monatsabo mieten lassen.
Die im vergangenen Juli gestartete Community richtet sich vor allem an Millennials und die Gen Z und verfolgt ein klares Ziel: ihnen zu ermöglichen, Kleidungsstücke zu tragen, die sie sich sonst nicht leisten könnten, und dabei häufig in limitierter Stückzahl hergestellte Produkte zu erhalten. Nach der Auswahl eines oder mehrerer auf der Plattform verfügbarer Artikel kann man sich diese nach Hause liefern lassen und sie im Sinne der Kreislaufwirtschaft gegen andere austauschen.
Die finnische Studie: Kleidervermietung und ihre Klimawirkung
Ist also alles eitel Sonnenschein? Für die finnischen Forscher der Lut University nicht ganz. Laut einer Studie der renommierten technischen Hochschule hätte die Vermietung nämlich die höchste Klimawirkung unter den umweltorientierten Verhaltensweisen, also: weniger kaufen, Kleidung länger nutzen, bevor man sie aussortiert, sie gebraucht weiterverkaufen oder sie für andere Zwecke bzw. über die Entsorgung recyceln.
Die Studie verfolgte eine Jeans in verschiedenen Nutzungsszenarien und untersuchte die zentralen Auswirkungspunkte entlang der Kette, darunter Produktion, Lieferung, Nutzung, Ende des Lebenszyklus und alternative Produktion. Anschließend verglichen die Forscher das mögliche Treibhauspotenzial in jedem Anwendungsfall: Dabei zeigte sich, dass die Vermietung aufgrund der Lieferung die höchste Wirkung hat.
Die Gründer von Vermietungs-Start-ups entgegnen, dass ihre Tätigkeit zweifellos einer genauen Prüfung bedarf, um „grüner“ zu werden, dass es sich aber in jedem Fall um eine positive Praxis handelt, die Menschen dazu anregt, Kleidung nicht wegzuwerfen.
Andere weisen darauf hin, dass die finnische Studie von der Annahme ausgeht, dass die Kunden bis zu anderthalb Kilometer mit dem Auto fahren, um die Kleidung abzuholen, während die betreffenden Unternehmen in Wirklichkeit häufig auf Postzusteller setzen. Viele Unternehmen der Branche entscheiden sich zudem für emissionsfreie Lieferpartner, CO2-Kompensation und hyperlokale Peer-to-Peer-Modelle.
Die Debatte ist also eröffnet. Wir wissen noch nicht, wer recht behalten wird, aber eines ist sicher: Ob Kauf oder Miete, Online- oder Offline-Handel – Custom hat immer die richtige Lösung für den Einzelhandel.